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Eine kurze Anmerkung zum EU-Referendum

Das letzte Mal, als ich das Britische wieder vermisst und wiedergefunden habe, war in Berlin. Dort übernachtete ich in einer hippen Hostelkette. Da ich es so billig wie möglich haben wollte, wählte ich ein Sechser Frauenzimmer. Außer mir waren noch u.a. zwei Engländerinnen. Unter den Hochbetten hatte jeder Gast ein Fach für sich zum herausschieben. Während ich also unten kauerte und versuchte etwas zu finden, stand eine der Engländerinnen neben mir (Der Durchgang war eng und ich versperrte ihr den weg) und wartete bis ich fertig war und sie durchgehen konnte. Und doch sagte sie „Sorry“ zu mir, obwohl ICH im Weg stand. In dem Moment habe ich mich wieder erinnert Britisch zu sein.

Und jetzt nur noch ein paar Tage bis zum EU-Referendum an. Da bekommt man ein mulmiges Gefühl. Welche Veränderungen werden auf uns zukommen? Ich sage deswegen auch „auf uns“, da es ja sozusagen jeden in der EU betreffen wird, ob im positiven wie auch im negativen Sinne.

Ich möchte extra nicht über die Vor- und Nachteile eines Brexits sprechen, die finanziellen und globalen Punkte, die sich möglicherweise verändern würden. Das überlasse ich lieber denen, die sich sowieso schon die ganz Zeit damit befassen: den Experten. Viel lieber würde ich nur ganz kurz über die menschliche Seite sprechen. Liebe Briten, schaut euch unseren Kontinent an, wieso möchte man eine Nachbarsfreundschaft beenden, die im Großen und Ganzen geklappt hat? Seit über 70 Jahren ist es relativ friedlich in Europa verlaufen und das nicht einfach so. Da dies eine Website für die deutsch-englische Freundschaft ist, denke ich, dass dies klar ist.

Und doch spürte ich in England immer wieder die Zwiespältigkeit. „Ich war im Urlaub in Europa.“ „Auf dem Kontinent…“ Alle solche Sätze sind harmlos, zeigen aber an, dass für viele Briten Großbritannien nicht wirklich Europa ist. Diese Einstellung der Briten hat sich seit Jahrzehnten als Mitglied in der EU nicht geändert. So, wie man es von der Brexitkampagne mitbekommt, kommt die EU und ihre Regulationen für Großbritannien eher als Belastung vor – man fühlt sich eingeengt. Wenn Großbritannien wieder „unabhängig“ von der EU wäre, könnte man wieder Entscheidungen treffen, die der Insel gut tun würden, ohne die „Einmischung“ der Europäischen Union. Für mich klingt das Ganze ein wenig nostalgisch: Zurück in die Vergangenheit, als das Britische Empire noch die Welt dominierte. Es scheint im digitalen Zeitalter nicht mehr aktuell zu sein. Einsichtiger scheint es mir zu sein wenn man etwas verändern will, dass man mit den anderen Akteuren ins Gespräch gehen muss und nicht einfach geht.

Wenn man jetzt alles wegdenkt – alle Finanzgründe und Ängste für oder gegen den Brexit – und nur für sich selbst entscheidet: Was ist daran so schlimm im hier und jetzt – Juni 2016 – zu sagen: „Leute, wisst ihr was, lass uns mal darüber gehen und zusammen darüber diskutieren und entscheiden. Vielleicht gibt es etwas bei euch, was super klappt und wir genau so machen könnten“. Denn wenn wir mal ehrlich sind: Noch nie ist etwas Gutes herausgekommen, wenn sich ein Staat abgeschottet hat, mit dem Plan jetzt andere Wege zu gehen.

Lisa Margolius 20/06/2016

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