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Auslands-praktikum in Bracknell

Lisa Margolius schreibt…

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Lisa

Wo lernt man besser Englisch als in England? England die mysteriöse Insel in Europa, die jeder kennt, aber doch nie wirklich ganz.

Da ich vorhabe Anglistik zu studieren und ich mich direkt nach dem Abitur nicht bereit gefühlt habe zu studieren, dachte ich mir: ‚ Welche bessere Vorbereitung auf so ein Studium, als in dem jeweiligen Land zu leben? ‘

Zuerst dachte ich mir, ich könnte einen Europäischen Freiwilligendienst  in Großbritannien absolvieren, aber die Plätze nach England sind heißbegehrt, da fast alle Kosten von der Europäischen Union erstattet werden. Somit war es recht unwahrscheinlich, dass ich einen Platz kriegen würde. Da hat mich meine Nachbarin auf die Partnerschaft von Leverkusen und Bracknell aufmerksam gemacht. Vielleicht hätte die Partnerschaft eine Möglichkeit mir ein Praktikum in England anzubieten. Ich habe die zuständige Person in Leverkusen kontaktiert und meine Bitte wurde weitergereicht. Ich habe mich für sechs Monate entschieden beginnend  mit September, da ich so die restliche Zeit des Jahres mich mit den Universitäten beschäftigen könnte.

Ein paar Wochen später kam eine Antwort: Es gäbe eine Möglichkeit ein Praktikum zu absolvieren. Ich würde bei einer Gastfamilie untergebracht werden. Dies würde aber in Church Crookham, Fleet liegen – etwa eine halbe Stunde mit dem Auto von Bracknell entfernt, wo ich arbeiten würde. Man, war ich froh – in meiner Erleichterung (die Wochen davor habe ich in immerwährender leichter Panik verbracht) habe ich mir das Leben in England schon vorgestellt.

So habe ich einen Platz als Praktikantin im Education Centre des Bracknell Forest Council in Bracknell bekommen. Das Education Centre liegt im zweiten Stock des Easthampstead Parks – einem alten Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert. Es ist ein Centre für Meetings, Seminare und verschiedene Konferenzen für bildungstechnische Themen/Bereiche, die vom Council, Lehrern und anderen Personen und zwar nicht nur von Bracknell Forest genutzt werden.

Das könnte nur gut werden.

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Bracknell

Ich hätte mir aber nicht einmal im Traum vorgestellt, dass es in drei Punkten Probleme geben sollte: Bei der Registrierung beim Hausarzt, beim Eröffnen eines Bankkontos und beim (öffentlichen) Verkehr.

In der ersten Woche haben wir versucht mich beim Arzt zu registrieren und ein Bankkonto zu eröffnen. Das schien leichter gesagt als getan: Beim Arzt brauchten sie eine Bescheinigung, dass ich in England unter einer bestimmten Adresse lebe, die aber von einer offiziellen Person (in meinem Fall mein Arbeitgeber) erstellt werden soll. Bei der Bank wollten sie eine „Bescheinigung“ von einer offiziellen Person, um sicherzugehen, dass ich die bin, als die ich mich ausgebe. Das könnte in diesem Fall nur mein Hausarzt in England sein. Also kurz gesagt: Ohne Arztbrief kein Bankkonto und ohne Adressbescheiningung von meinem Arbeitgeber keine Registrierung beim Arzt.

Nachdem ich den Brief von meinem Arbeitgeber gekriegt habe, der besagt, dass ich in England unter einer bestimmten Adresse wohne, sind wir wieder zur Arztpraxis gegangen. Diese konnte mich nicht registrieren, da ich nicht im vorgeschriebenen Viertel lebe und sie nicht für mich zuständig sind. Das ist wohl eine der neueren Regelungen, da meine Gasteltern dort registriert sind.

Währenddessen erkundigte ich mich noch bei einer weiteren Bank: Diese würde nur ein Bankkonto für mindestens zwölf Monate öffnen. Ich wollte aber nur für sechs Monate.

Im Oktober war ich dann endlich bei meiner zuständigen Arztpraxis registriert. Diese konnten auf meine Anfrage nach dieser Adressbescheinigung nicht weiterhelfen, da sie nicht berechtigt sind die Angaben zu bescheinigen, die ich ihnen angegeben habe. Zum Glück haben sie aber „Lloyds Bank“ vorgeschlagen, die so etwas nicht braucht.

Als ich nun endlich den Termin bei ihnen hatte und leicht aufgeregt in der Filiale von Fleet angekommen war, musste ich lesen, dass diese geschlossen war und dies schon, als ich den Termin gemacht habe. Voller Panik rief ich sie an und vereinbarte einen neuen Termin in der Filiale von Farnborough, nachdem man mich gefragt hatte, ob ich denn keine Benachrichtigung wegen der geschlossenen Filiale bekommen hätte und sie sich entschuldigt hatten.

Ab da ging es ohne Probleme – ich brauchte nur meinen Personalausweis um ein Bankkonto zu eröffnen, so wie es hätte sein sollen – wir sind ja alle in der EU.

Somit wurde ich in der zweiten Woche vom November stolze Besitzerin eines englischen Bankkontos. Und ich dachte, dass hätte sich im September schon klären können.

Also: Im Voraus recherchieren, was  für Arzt und Bank nötig ist. Das habe ich definitiv gelernt.

Doch die guten Seiten überschatteten längst die schlechten:

In England wurde ich wunderbar von meiner Gastfamilie empfangen und mit gutem Essen und interessanten Geschichten verwöhnt. Ich verstehe nun die Angewohnheit der Engländer mit allen möglichen Zitronenkuchen, trotzdem ist er für mich noch ein wenig eigenartig andere „Kuchen“ mit Fisch oder Fleisch „meat pies“ etc zu füllen. Außerdem speichert man automatisch durch die vielen Kochsendungen und natürlich dem „Great British Bake Off“ viele Tipps und Tricks in der Kochwelt ab.

Trotz der zweistündigen Anfahrt zum Arbeitsplatz mit drei Bussen (hier fahre ich natürlich nicht mit dem Auto), freue ich mich immer wieder darauf. Die Leute sind unglaublich nett und du hast das Gefühl sofort dazugehören. Sofort wurde ich Mitten ins Geschehen gebracht/geworfen: Die Gäste der verschiedenen Seminare, die jeden Tag abgehalten werden, werden von uns mit Kaffee, Tee und Gebäck versorgt und die bestellten belegten Sandwiches, Brötchen, Lunches von uns ausgepackt. Die Bestätigungsbriefe müssen verschickt und die Rechnungen bezahlt werden.

Mein Platz ist im Ressourcenraum, in dem sie Lehrer des Bereiches des Bracknell Forest Lehrbücher, CDs, Romane und Spielzeuge ausleihen können. Um dies einfacher zu gestalten sind wir gerade im Prozess einen Onlinekatalog zu erstellen und die Ressourcen zu digitalisieren.

Zuerst kommen aber immer die Gäste der verschiedenen Meetings und Seminare. Und noch eine neue Entdeckung für mich: Briten können ohne Kekse nicht leben. Es gibt so viele und verschiedene Variationen und alle unglaublich lecker – da versteht man wie wichtig sie sind.

Also: Ohne Kekse geht gar nichts.

Am Ende des Tages kann ich dann meine „Heimreise“ wieder mit drei Bussen antreten. Denn das war ein nächster Schock: Erstens, die meisten Busse haben nur Eingangstüren, sodass zuerst alle Leute aussteigen, bevor andere einsteigen (und das in ruhiger, geordneter Form): Der Erste der einstieg, war auch meistens der erste, der an der Haltestellte gewartet hat und zwar nicht vom Ort sondern von der Wartezeit ausgegangen. Und Zweitens der Verkehr und die Staus, die gefühlt überall wie aus dem Nichts auftauchen. Dass die Autobahnen voll waren, war nichts Neues für mich – das ist in Deutschland gang und gebe – aber das normale Straßen überfüllt waren, das war etwas Neues für mich.

Es gibt hier einfach zu viele Autos auf zu schmalen Straßen und wenn irgendetwas schief läuft, fühlt es sich so an, als ob das ganze System zusammenbrechen würde. Ich bin aber auf den öffentlichen Verkehr angewiesen und möchte nicht von meiner Gastfamilie abhängig sein.

So ist es sehr stressig für mich im Bus im Stau zu sein und zu hoffen, wir kommen noch an bevor der vorletzte Bus, der mich nach Hause bringt, abfährt.

Also: Man sollte die Zeitangaben in den Busfahrplänen in der südöstlichen Region Englands eher als eine mögliche Richtlinie ansehen.

Dabei tragen die Busfahrer gar keine Schuld, da sie versuchen pünktlich zu kommen und dir immer behilflich zu sein. Ich habe das in Deutschland nie so richtig bemerkt. Hier ist es aber angebracht den Fahrer zu begrüßen und ihm am Ende zu danken. Das hat einen positiven Effekt: Beim Zuspätkommen ist man nicht mehr so sehr frustriert, weil die Busfahrer ja auch Menschen sind und auch nichts dafür können.

Also: Der Verkehr kann (besonders in der Rush hour) besonders träge sein. Man sollte sich darauf einstellen und ruhig mit dem Nachbar plaudern und dich beim Busfahrer am Ende bedanken.

lisa03Der erste Eindruck also: Wow! Eigentlich doch ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Obwohl in der Politik und der Wirtschaft hier nicht alles immer so rund läuft, sind die Menschen hier immer freundlich und höflich und irgendwie auch auf den Straßen viel gesprächiger als in Deutschland. Vielleicht kann sich ja Deutschland da etwas abschauen.

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